Donnerstag, 28. Mai 2015

BARF vs. PMR

Erst einmal möchte ich vorweg nehmen, dass ich hier nur von Hunden spreche und dass ich PMR, das Prey Model Raw absolut nicht ablehne!

Was BARF ist und bedeutet, das wissen meine fleißigen Leser natürlich bereits, aber was ist PMR? Das Prey Model Raw („Preyen“) ist ein alternatives Fütterungskonzept. Im Gegensatz zum BARFen werden keine pflanzlichen Bestandteile gezielt gefüttert und vor allem: ganze Beutetiere.

Ganze Beutetiere? Klingt doch toll! Nur leider werden die wenigsten Leute die Möglichkeit haben, wirklich komplette Futtertiere zu geben. Hierfür wurde das sogenannte „Frankenprey“ erfunden. Wir alle kennen wohl die Geschichte von Dr. Victor Frankenstein und seinem Monster, das er aus Teilen zusammen setzte (und zum Leben erweckte). Von dieser Figur leitet sich der Begriff Frankenprey ab, bei dem ein Beutetier quasi nachgebaut wird. Das machen BARFer doch auch? Ja, das machen BARFer auch, aber eben nicht so genau.

Beim Frankenprey machen 80 bis 85% Muskelfleisch und andere Körperteile, wie Haut, Haare, Federn, Fell, etc. aus. 10 bis 15% sind fressbare Knochen, 5 bis 10% Innereien, wovon wiederum etwa die Hälfte Leber ausmacht. Ich erinnere nochmals: Pflanzliche Bestandteile sind nicht vorgesehen! Als meist einziger Zusatz wird Lachsöl empfohlen, wenn keine Wildtiere sondern Mastvieh gefüttert wird, aus dem gleichen Grund, wieso BARFer es geben, nämlich dem Fettsäurenausgleich. (Quelle: Diverse Internetseiten. Konkrete Literatur ist Mangelware.)


Wieso ich nicht strikt gegen PMR bin?



"Barfen ist leicht. Barfen ist keine Religion. Barfen ist einfach nur Hunde füttern." (Das Brimborium um BARF, Swanie Simon) Wir sind nicht im Glaubenskrieg und sollten uns auch mit anderen Arten der Fütterung durchaus auseinander setzen können. Für mich ist PMR das Füttern ganzer Beutetiere, Füttern so nah wie möglich an der Natur und das ist -nach meinem Empfinden- nur unter bestimmten Bedingungen möglich.



1. Ganze Futtertiere: Woher? Wie lagern? Wo verfüttern? Wie verfüttern? Ganz? Gestückelt? Innereien aufgeteilt? Auf einen Schlag? Am besten natürlich gleich ein ganzes Rudel (= soziales Konstrukt) Hunde, das sich ein ganzes Reh teilt.

2. "Obstbäume & Kräutergarten": z.B. Apfelbäume, Beerensträucher, Wildwiesen, ... zur Selbstversorgung!

3. Im Umgang mit der Selbstversorgung geübte Hunde: Wann fresse ich was? Was darf ich fressen? Was darf ich nicht fressen? Was tut mir gut? Was tut mir nicht gut? Und wenn sie das nicht können: Wie bringe ich ihnen das bei oder wie können sie es erlernen ohne sich selber zu gefährden?



Wenn das alles vorhanden ist, dann und wirklich nur dann, sehe ich die Möglichkeit, Hunde artgerecht mit dem PMR zu ernähren.


Wogegen ich absolut bin:


Frankenprey empfinde ich als eine heikle Sache. Um den Hund wirklich nicht mit Proteinen zu überversorgen und die Verdauung in Schwung zu halten, muss man neben Fett auf ausreichend Haut, Fell, etc. pp. achten, eben alles, was neben Innereien (auch z.B. Schilddrüsengewebe -Hormone/Jod!-) und Knochen noch so alles an und in einem Tier zu finden ist. Nur dann und nur in Kombination mit zur freien Verfügung stehenden pflanzlichen Ressourcen, denke ich, kann dieses Fütterungskonzept artgerecht, bedarfsgerecht und damit gesund sein.

"Aber der Hund kann Pflanzliches gar nicht verdauen!"
Falsch. Der Hund kann keine Zellulose spalten. Können Sie Zellulose spalten? Das wäre eine Sensation! Wir haben Mahlzähne zur mechanischen Zerkleinerung von Pflanzlichem und bereits im Speichel entsprechende Enzyme, die beim Hund erst später im Verdauungstrakt hinzu kommen (z.B. Amylase). Damit der Hund also an die "guten Stoffe" heran kommt, ist es nötig, die Zellwände zu zerstören, sie aufzubrechen und das schaffen wir mit dem mechanischen Vorzerkleinern, im Optimalfall durch Pürieren.

"Nunja, aber er frisst eben kein Pflanzliches..., also braucht er es nicht!"
Essen Sie nur, was Sie "brauchen"? Hut ab! Versuchen Sie wenig Pflanzliches zu geben, viel Blattgemüse, testen Sie einzelne Sorten und führen sie langsam neue Sorten ein. Wenn mehr nicht angenommen wird, bleiben Sie eben bei 10% der Gesamtfuttermenge. Zur Not versuchen Sie es (dampf)gegart. Sollte es absolut ganz und gar nicht genommen werden, kann man sich mit reiner Zellulose z.B. in Form von Flohsamenschalen aushelfen. Das ist und sollte aber die Ausnahme bleiben.

Wieso ich 10 bis 30% Pflanzliches empfehle:


1. Ballaststoffe: Ja, Pflanzliches bietet Ballaststoffe, manches mehr, manches weniger, aber fest steht, dass es das tut.

"Mit Prey verringerte sich die Kotmenge stark."
Entstehen beim BARFen im Gegensatz zum Füttern ohne Pflanzliches vergleichsweise sehr große Mengen Kot, sollte vermehrt auf Unverträglichkeiten geachtet werden und vor allem die Menge und die Art des pflanzlichen Anteils überprüft werden, denn: Wer viel Unverdauliches zu sich nimmt, muss das natürlich auch wieder "loswerden". ;) Eine gewisse Menge Rohfaser/ Ballaststoffe muss das Futter für eine gesunde Verdauung mit sich bringen, auch um z.B. sonst häufige Probleme mit der Analdrüse vorzubeugen (= oft zu geringer Kotabsatz). Diese Menge könnte und sollte man beim PMR eben mit Fell und anderem Schlecht- und Unverdaulichem füttern, bzw. sollte sich der Hund meiner Meinung nach selber aus der Natur (Kräuter, Gräser, Wildsalate, Wurzeln,...) holen können.

2. "Vitamiiine": Nein, wir müssten tatsächlich für die Vitaminversorgung keine pflanzlichen Bestandteile füttern, insofern man ansonsten ausgewogen Tierisches füttert, d.h. neben sonstigen Bestandteilen zumindest Leber, Niere, Milz und Lunge in für das Tier richtigen Mengen. Schaden tun sie aber ganz und gar nicht, genau so wie die zusätzlichen Spurenelemente. ;)


3. Kohlenhydrate: In mehr oder weniger großen oder kleinen Mengen liefert Pflanzliches Kohlenhydrate und diese liefern dem Hund auch Energie. Besonders Knollengemüse und Obst enthalten (nebst natürlich Getreide) viel davon. Und ja, Hund kann diese verdauen (durch Amylase) und verwerten, nur eben nicht so gut, wie der Mensch.

4. Sekundäre Pflanzenstoffe: Pflanzen benutzen diese Stoffe z.B. zur Abwehr von Krankheitserregern, zum Schutz vor UV-Strahlen, als Verdunstungsschutz und als mechanische Festigung. Einige können unter anderem den Blutdruck senken, den Blutzuckerspiegel regulieren, die Verdauung fördern, Bakterien bekämpfen, das Immunsystem anregen und die Krebsentstehung hemmen, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wieso sollten wir bei der Fütterung darauf verzichten?


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